Aussicht auf Auskunft

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Einer meiner Lieblingsorte ist das Starbucks am Flughafen Tegel, denn auf einigen Plätzen bietet sich eine großartige Aussicht. Nein, nicht wie man vermuten könnte auf Flugzeuge bei Start- und Landeanflug – einen Blick auf Flugzeuge bekommt man hier kaum. Die besten Plätze sind ausnahmsweise nicht mit Sessel oder Sofa ausgestattet, sondern es sind die Hocker auf der Galerie, von wo aus man direkt (ohne trennende Scheibe) in die Haupthalle schauen kann.

Ist es schon interessant genug, die bunte Mischung von Menschen durch die Haupthalle laufen zu sehen, sorgt für das i-Tüpfelchen der Staat mit unseren Steuergeldern: Am Abzweig an der Treppe zwischen Haupthalle, Tür nach draußen und zu den Schaltern der verschiedenen Fluglinien steht immer mindestens ein Beamter von Polizei oder Zoll.

Vermutlich soll er den Menschen in der Haupthalle ein Gefühl der Sicherheit geben oder potenzielle Täter abschrecken. Ich bin sicher, dass es sich um eine sehr wichtige Aufgabe handelt. Faktisch ist das dort die Auskunft, denn ständig kommen Reisende mit Fragen nach dem Weg.

Für sich genommen wäre das kaum unterhaltsam, zumal man oben von Starbucks aus nicht hören kann, was gefragt und geantwortet wird. Die Mimik der Beamten ist es, die für den großen Unterhaltungswert sorgt. In der Halle herumzustehen und die ganze Zeit Fragen von Touristen und anderen Reisenden beantworten zu müssen, zehrt augenscheinlich an den Nerven.

Heute Abend schien es besonders schlimm zu sein. Der arme Polizist wurde in der Zeit, die ich für meinen Grande Cappuccino und den Raspberry White Cheesecake benötigte, fast pausenlos mit Auskünften bedrängt. Zeitweise gab er bestimmt vier oder fünf Auskünfte pro Minute!

Dass sich dies nicht mit seiner eigenen Auffassung eines idealen Arbeitstages deckte, stand in den Momenten zwischen den Fragen überdeutlich in sein Gesicht geschrieben. Das Spiel seiner Mundwinkel ergänzte er durch Trommeln mit den Fingern auf eine Haltestange für Absperrbänder. Manchmal schien es so, als wollte er die Stange greifen und sie unangespitzt in den Boden hämmern – zusammen mit dem nächsten desorientierten Touri.

Würde man diese Szene in einer Zeichentrickserie umsetzen, wäre sein Kopf nicht nur dunkelrot angelaufen, seine Dienstmütze würde Hubschrauber spielen und abheben während unter Schnaufen Rauch aus Ohren und Nase quillt.

Nun ist es ein gutes Zeichen, wenn die Menschen auf deutsche Polizisten so unbefangen zugehen und diese Art von Dienstleistung unterstützt ohne Frage ein gutes Verhältnis zwischen Polizei und Bürgern.

An Tagen wie heute frage ich mich indes, warum das Flughafenmanagement nicht Servicepersonal an diesem Punkt einsetzt; heute hat mir der Beamte leid getan, auch wenn das Schauspiel bei Kaffee und Kuchen einen hohen Unterhaltungswert hatte.

Wer es sich selbst einmal anschauen möchte: Die Starbucks-Filiale am Flughafen Tegel hat täglich bis spät abends geöffnet und bisher stand noch immer mindestens ein Polizist an besagtem Punkt in der Haupthalle.

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