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Starbucks und ich (Buchtipp)

Worauf es im Leben wirklich ankommt entdeckt Michael Gates Gill erst, als es fast schon zu spät ist. Mit einem zufällig begonnenen Bewerbungsgespräch bei Starbucks beginnt sich sein Leben endlich zum Guten zu verändern.

In seinem Buch „Starbucks und ich – Wie ich alles verlor und das Glück wiederfand“ schildert Michael Gates Gill eine Erfolgsgeschichte, wie man sie nicht jeden Tag zu lesen bekommt. Geschichten vom American Dream nehmen einen gänzlich anderen Verlauf, dennoch ist diese wahre Geschichte sehr „amerikanisch“.

In die Oberschicht hineingeboren, in eine prominente Familie mit besten Kontakten und aufgewachsen mit einem elitären Netzwerk von Menschen, die zum Leben der einfachen Bevölkerung kaum einen Bezug haben, erklomm Michael Gates Gill schnell die Karriereleiter und verdiente bei der internationalen Werbeagentur J. Walter Thompson als Kreativdirektor schließlich 160.000 Dollar im Jahr. Der Agentur opferte er in den vielen Jahren, die er dort arbeitete, einen Großteil seines (Familien-) Lebens.

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Das Management der Werbeagentur erwiderte diese Loyalität nicht. Nach einer feindlichen Übernahme wurde Michael Gates Gill mit seinen 53 Jahren gefeuert, weil die neue Führung der Agentur jüngere Mitarbeiter wollte. Zehn Jahre lang kämpfte er gegen seinen sozialen und finanziellen Abstieg, der mit diesem Schockerlebnis begann, an, doch nach einer Affaire zerbrach seine Ehe und mit seiner Beratungsfirma lief es immer schlechter. Zuletzt fand sein Arzt sogar noch einen Gehirntumor, doch eine Krankenversicherung konnte er sich nicht mehr leisten.

An einem regnerischen Tag im März, inzwischen 63 Jahre und beruflich vor dem Nichts stehend, suchte der Autor des Buchs Trost in einem Spaziergang durch die alte Wohngegend seiner Kindheit und kehrte schließlich in ein Starbucks Coffee House ein, um einen Caffè Latte zu trinken, „der einzige Luxus, der mir noch geblieben war“.

In Selbstmitleid versunken antworte er auf die Frage einer jungen Filialleiterin von Starbucks, ob er einen Job suche, was eher aufmunternd als ernst gemeint war, mit der Wahrheit. Ja, er suchte tatsächlich einen Job. Über seine Antwort war er selbst erschrocken, erkannte dann aber schnell, dass ein Anfängerjob bei der Kaffeekette ihn retten könnte. Möglicherweise sogar sein Leben, denn Starbucks bot ihm höhere Zuschüsse für eine Krankenversicherung als er sie in seinem Topjob bei J. Walter Thompson je bekommen hatte.

So viel sei schon verraten: Er bekommt den Job und damit beginnt für ihn ein anderes Leben, bei dem er seine Prioritäten ganz neu setzt. Die Unternehmenskultur bei Starbucks hilft ihm zu erkennen, worauf es im Leben tatsächlich ankommt. Diesen Prozess schildert er in seinem Buch, das man als autobiografisches Lebenshilfebuch bezeichnen kann, ausführlich.

Sehr geschickt verbindet er die Geschichte darüber, wie sich sein Leben bei Starbucks entwickelt, mit Rückblenden in sein altes Leben. Nebenbei erfährt man als Leser einiges über die Abläufe in einer Starbucks-Filiale, was für Fans der Kaffeekette eine sehr gute Ergänzung zu der mehr unternehmerischen Sicht im Buch „Das Starbucks-Geheimnis – Wie aus Kaffee Gold wird“ von Joseph A. Michelli darstellt.

Michael Gates Gill gibt seinen Lesern dabei einen tiefen Einblick in sein Seelenleben, was möglicherweise nicht so verheißungsvoll klingt, jedoch die große Stärke dieses Buchs ausmacht. Obwohl er sich früher nie hätte vorstellen können, bei Starbucks Kaffee zu verkaufen oder gar die Toiletten zu reinigen, war er vorher schon Kaffeeliebhaber und regelmäßiger Gast in den Filialen der Kaffeekette.

Das verbindet Michael Gates Gill nicht bloß mit seinen Lesern, es ist geradezu symbolisch für die verbindende Kraft des Starbucks-Erlebnisses so vieler ganz unterschiedlicher Menschen auf aller Welt, die jeden Tag in ein Starbucks Coffee House gehen.

„Starbucks und ich“ liest sich ausgezeichnet: Als ob man Wasser in einen Trichter gießen würde – man muss es nicht mit Kraft hindurchdrücken, es fließt ganz von alleine geordnet hindurch. Nach wenigen Tagen hatte ich es ausgelesen, einmal las ich mehr als 100 Seiten am Stück.

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1 Kommentar

  1. eigentlich interessiere mich nicht für starbucks – und dann wieder doch. trinke zuhause tee (schwarzen, grünen oder kräuter-tee) und unterwegs gerne einen kaffee beim italiener. ist so eine angewohnheit, seitdem ich vor über 35 jahren kaffee in der schweiz und in italien schätzen gelernt habe. deutscher filterkaffee war von jeher nicht so mein ding. was mir an starbucks gefällt, sind die geschmackvollen einrichtungen – wenn auch standardisiert, was aber im hilton weltweit nicht anders ist – und daß es in meinem wohnort illustrierte zum schmökern gibt. in anderen städten habe ich (noch) keine starbucks-erfahrung gesammelt. auch die kuchen bei starbucks hauen mich nicht vom hocker. wie gesagt, kaffee – auch eis! – lieber in einem italienischen café, den kuchen in einer klassischen deutschen konditorei. aber „starbucks“ im titel von michael gates gills buch war d e r eye-catcher! hatte sich doch karstadt vor einiger zeit von der starbucks-kette getrennt, weil vermutlich unrentabel, da war ich doch neugierig, was es mit starbucks als lebensretter auf sich hat. also blätterte ich in der buchhandlung in dem buch – und las mich ruckzuck fest. süffig geschrieben, versprach die lektüre ein interessantes lese-erlebnis. zu hause konnte ich nicht aufhören mit lesen und war angetan sowohl vom stil als auch vom inhalt. nicht zuletzt, weil ich das schon hinter mir hatte, mit anfang 50 „entsorgt“ zu werden. damals wurde ich erst einmal „zeitmillionärin“, wie meine freundin brigitte ihren status als studentin auf dem 2. bildungsweg genannt hatte. ich probierte beruflich dies und das, brauchte allerdings ein gutes jahr, um zu begreifen, daß ich auf dem globalisierungs-karussel geraten war und mir ziemlich schwindelig von dessen geschwindigkeit wurde. diesmal war ich es, die von sich aus ging. Ich las, ich hörte radio, kümmerte mich um die hochbetagten in der familie, sprach mit leuten, sammelte informationen über dies und das und schrieb und schrieb und entdeckte eine brennende neugier für aktuelle wirtschafts-zusammenhänge. – und jetzt michael gates gill: er illustriert perfekt, wie es dem gefeuerten senior geht, der ausgetauscht wird gegen eine jüngere, kostengünstigere arbeitskraft; profunde kenntnisse und berufserfahrung zählen nicht länger. parallel dazu erfährt der leser, wie starbucks konzipiert ist, jedenfalls in den usa. hierzulande scheint mir die kaffee-kette bei weitem nicht so kundenorientiert ausgerichtet zu sein, wie es mike von NYC schildert. das buch war ein reines vergnügen und ein willkommener wissenszuwachs! meinen dank an seinen autor!! Bitte, unbedingt weitere bücher schreiben!

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