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Kaffee war wichtiger Bestandteil der Westpakete für die DDR-Bürger

In den fast 20 Jahren seit dem Mauerfall wurden gewaltige Summen aus den westlichen in die östlichen Bundesländer transferiert. Dagegen nimmt sich der Transfer auf privater Ebene in Form der „Westpakete“ für (hauptsächlich) Verwandte im Osten zu DDR-Zeiten fast bescheiden aus.

Klein war der Wert der Westpakete aber nur im Vergleich, in absoluten Zahlen war er groß. Zudem hatte die private Unterstützung auf ideeller Ebene einen besonderen Wert. Kaffee gehörte zu den wichtigsten Inhalten der Pakete, die von West nach Ost geschickt wurden.

Zu diesem Thema informiert der Deutsche Kaffeeverband diese Woche in einer Presseinformation:

>>Deutschland ist ein Kaffeeland. Vor gut 20 Jahren erreichte das letzte mit Kaffeepackungen gefüllte „Westpaket“ die damalige DDR. „Kaffee war für die ostdeutschen Bürger oft unerschwinglich, knapp und häufig ungenießbar“, so Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes mit Sitz in Hamburg. Ein erheblicher Teil des in der DDR konsumierten Kaffees kam daher mit Paketen aus dem Westen. Vor der Wiedervereinigung erreichte so Kaffee im Gesamtwert von jährlich rund 120 Millionen D-Mark mit den berühmten „Westpaketen“ die DDR.

In den 70er Jahren kostete ein Pfund Kaffee im Osten bis zu knapp 36 Mark bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 785 Mark (zum Vergleich: Ein Pfund Kaffee kostete damals in Westdeutschland rund 9 D-Mark). Mitte der 70er Jahre wurde Kaffee zu einem der größten Posten in der DDR-Außenhandelsbilanz.

Durch die Kaffeekrise um 1977 sparte die SED-Führung beim Kaffeeimport, um Devisen statt für Nahrungs- und Genussmittel für Erdöl auszugeben. Preiswertere Kaffeeröstungen verschwanden aus den Supermarktregalen und nur noch teure Produkte wurden zum Verkauf angeboten. „Zudem kamen Kaffeemischungen der besonderen Art auf“, so Preibisch. „Dabei wurde Kaffee mit Malz, Zichorien und sogar Roggen- und Gerstenmehl gestreckt. Die Bürger nannten den angebotenen Kaffee im Volksmund „Erichs Krönung“ oder auch „Erichs Dröhnung“.“ Um einen Volksaufstand wegen qualitativ schlechten Kaffees und anderer fehlender Genussmittel zu verhindern, suchte die SED nach Möglichkeiten, günstig an Kaffee zu kommen und schloss Ende der 70er Jahre u.a. ein Abkommen mit Vietnam, verstärkt Kaffee für die DDR anzubauen. Zuvor hatte der Kaffeeanbau in Vietnam keine Rolle gespielt. Heute zählt Vietnam zu den wichtigsten Kaffeeexporteuren der Welt. Hauptabnehmer ist das geeinte Deutschland mit rund 180.000 Tonnen Rohkaffee pro Jahr.<<

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