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Beans Brothers FRIENDS im Geschmackstest

Das eigenwillige Design der Verpackungen lässt den edlen Geschmack des Inhalts nicht erahnen. Inzwischen habe ich alle vier Sorten der Mitte 2021 eingeführten Tchibo-Marke Beans Brothers FRIENDS ausführlich getestet: Drei davon gefallen mir sehr gut, eine konnte die Erwartungen am Ende nicht erfüllen.

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Seit Mitte letzten Jahres verkauft Tchibo unter der neuen Marke „Beans Brothers FRIENDs“ vier neue Kaffeesorten, bei denen soziales Engagement vor Ort in den Anbauländern im Vordergrund steht. Zwei davon sind „Caffè Crema“-Varianten, die anderen beiden sind für Filterkaffee gedacht.

Der Anblick der Verpackung ist gewöhnungsbedürftig | Foto: Redaktion

Für die Transparenz: Von drei der vier Sorten hat mir der Hersteller jeweils eine Packung zur Verfügung gestellt. Die vierte Sorte hab ich mir selbst gekauft, um den Test zu vervollständigen.

Da ich nicht glücklich damit war, dass ich erst einmal nur drei der Sorten testen konnte, hatte ich mir vorgenommen, mir die vierte Sorte zu kaufen, um alle vier Sorten vorstellen zu können. Das geriet irgendwie aus dem Blick, sodass ich meinen Test der vierten Sorte Beans Brothers FRIENDS erst vor Kurzem nachgeholt hab.

500-Gramm-Packung der Sorte Caffè Crema heftig kräftig | Foto: Redaktion

a) Caffè Crema kräftig

Unser Geschmackstest

Duft
Die Packung verströmt einen schokoladig-süßen Duft, der mich an Aprikosen erinnert.

Ganze Bohnen im Vorratsbehälter eines Kaffeevollautomaten | Foto: Redaktion

Der fertige Kaffee duftet als Lungo zubereitet traubenartig und leicht kuchig-süß. Er wirkt sanft. Als Americano sowie mit der Stempelkanne zubereitet ist sein Duft würziger, was ein wenig in Richtung Weihnachten geht.

Geschmack
Lungo: fruchtig-herb, wobei die fruchtigen Noten mehr süß als sauer wirken. Im Nachklang kommt eine dezente Rauchnote mit leicht scharfen Anteilen hervor, die einen reizvollen Kontrast zu den weiterhin zu schmeckenden süßlichen Noten bietet.

Sorte Caffè Crema heftig kräftig wird im Vollautomaten als Lungo zubereitet | Foto: Redaktion

Zuerst vermittelt „Caffè Crema kräftig“ ein weiches Mundgefühl; dann ist diese Sorte rau auf der Zunge.

Americano: Anfangs noch weicher, später aber herber als der Lungo. Der Americano hat kaum fruchtige Anteile, was ihn für mich ziemlich langweilig wirken lässt. Insgesamt hat mir Beans Brothers FRIENDS in der Variante „Caffè Crema heftig kräftig“ als Americano zu wenig Geschmack. Nur die herben Noten sind halbwegs stark ausgeprägt. Dazu passt die leicht scharfe Note im Nachklang.

Der Geschmack ist deutlich besser, wenn ich ein paar zusätzliche Bohnen investiere, also mehr Kaffee für die Zubereitung des Americano verwende. Bei dem für diesen Geschmackstest verwendeten einfachen Vollautomaten Esperto Caffè von Tchibo (Testbericht zu diesem Gerät) gibt es eine Art Plus-Taste, mit der sich die Kaffeemenge erhöhen lässt. So schmeckt „Caffè Crema heftig kräftig“ deutlich besser. An den Geschmack als Lungo kommt der Americano dennoch nicht heran.

Sorte Caffè Crema heftig kräftig als Espresso | Foto: Redaktion

Espresso: Von einer Zubereitung als Espresso in der Klasse rate ich ab, denn dann ist er sehr sauer und sogar für mich nicht geeignet.

Wen Du die elektrische Filterkaffeemaschine verwendest, nimm etwas mehr Kaffeemehl. Dann bietet „Caffè Crema kräftig“ eine gute Balance zwischen moderaten herben Noten und fruchtigen Anteilen. Zuerst entsteht ein weiches Mundgefühl, im Abgang wirkt er auf der Zunge wieder rau. Eine dezente Rauchnote und recht deutliche Kakaonoten bilden eine gute Kombination!

Grob gemahlener Kaffee in der Stempelkanne | Foto: Redaktion

Stempelkanne: Würzig, nette Rauchnote, aber insgesamt recht dünn. Aus der Stempelkanne hat „Caffè Crema kräftig“ sehr wenig Säure. So ist der Kaffee besonders sanft, manchem dürfte das gefallen. Etwas mehr Intensität wäre mir jedoch lieber.

Kaffee wird aus der Stempelkanne in eine Glastasse gegossen | Foto: Redaktion

b) Caffè Crema Mild

Unser Geschmackstest

Duft
Bereits beim Öffnen der Packung habe ich einen intensiven, angenehm süßen Duft bemerkt – nicht erst beim Schnuppern direkt an der Packung, sondern aus der Entfernung einer vollen Armlänge! Obwohl Kakaonoten sehr verbreitet sind, habe ich bei den gerösteten Bohnen der Variante „Caffè Crema milde gestimmt“ tatsächlich etwas signifikant Neues für mich entdeckt: Den Geruch verorte ich irgendwo zwischen Schokowaffel und leicht warm gewordener Schokolade. Er hat eine gewisse Schwere.

Kaffeebohnen der Sorte Caffè Crema milde gestimmt | Foto: Redaktion

Daneben habe ich fruchtige Noten in der Nase, die ich am ehesten in Richtung Traube einordnen kann. Da ist noch ein drittes Element, mit dem ich spontan geröstete Haselnüsse assoziiere. Allerdings vermute ich, dass letztere Zuordnung dadurch zustande kommt, dass die gedankliche Kombination von süßer Schokolade und Trauben die Erinnerung an Traube-Nuss-Schokolade aktiviert und von daher die Wahrnehmung dieses dritten Elements stark beeinflusst.

Zubereitungsempfehlung des Herstellers | Foto: Redaktion

Der Hersteller schreibt über „Caffè Crema milde gestimmt“: „Sanft und abgerundet im Geschmack, dazu eine leichte Karamellnote – die Welt wäre eine bessere, wenn sie so harmonisch wäre wie dieser Caffè Crema.“ Hätte ich das vorher gelesen, wären meine Gedanken bei Karamell gewesen, was meine Wahrnehmung entsprechend beeinflusst hätte.

Wie dem auch sei: Diese Kaffeebohnen verströmen einen besonders angenehmen Duft, der anders ist als bei allen anderen Kaffeebohnen, die ich bisher getestet habe.

Das fertige Getränk duftet leicht nach Kuchenteig, der frisch aus dem Ofen kommt: leicht süßlich, ein wenig wie Puderzucker. Außerdem bemerke ich eine dezente Fruchtnote.

Geschmack
Beim eigentlichen Geschmackstest kann die zweite Sorte die hohen Erwartungen nicht ganz einlösen, vor allem bei der Zubereitung als Lungo aus dem Vollautomaten. Der Kaffee wirkt ein wenig dünn.

Lungo-Zubereitung mit dem Kaffeevollautomaten | Foto: Redaktion

Als Americano ist „Caffè Crema milde gestimmt“ für meinen Geschmack nicht kräftig genug, aber es gibt sicher viele, die einen so sanft-würzigen Kaffee mögen. Er hat nur wenig Säure, ist etwas nussig, die Süße ist schwach, aber erkennbar. Der Geschmack erinnert tatsächlich etwas an Karamell.

Heißer Kaffee aus der Filterkaffeemaschine | Foto: Redaktion

Zubereitet mittels elektrischer Filterkaffeemaschine ist „Caffè Crema milde gestimmt“ auffallend weich und sanft vom Mundgefühl her, aber vom Geschmack herb-nussig mit etwas Säure. Im Nachklang lässt sich das mit etwas gutem Willen unter Karamell einordnen. Wie sich die nussige Note nicht nur hält, sondern sogar leicht an Kraft gewinnt, hat definitiv seinen Reiz. Die herben Anteile können dagegen weniger überzeugen. Sie nehmen ebenfalls an Stärke zu, Rauchnoten gesellen sich hinzu. Das hält sich von der Intensität her in Grenzen, doch ansprechend wirkt es auf mich eher nicht.

Bei Verwendung der Stempelkanne gelingt der Kaffee recht würzig, ansonsten wirkt er wiederum recht dünn. Zusammen mit den Kakaonoten, die mich an cremige Schokolade erinnern, kommt der Karamellgeschmack dann gut zur Geltung, wenngleich ich ihn erst nach dem schokoladigen Geschmack wahrnehme. Die würzig-rauchigen Anteile mit leichter Schärfe sorgen für einen gelungenen Kontrast zu den süßen Eindrücken. So schmeckt „Caffè Crema milde gestimmt“ ausgezeichnet. Ich bin sicher, dieses Geschmacksprofil (ohne merkbare Säure und ohne wirklich herbe Noten) wäre für eine größere Zielgruppe attraktiv.

Zubereitung der Sorte Caffè Crema milde gestimmt mit einer Stempelkanne | Foto: Redaktion

Die Sorte „Caffè Crema milde gestimmt“ kann bei der Zubereitung mit Milch und Milchalternativen punkten. Die würzigen, rauchigen Noten passen sehr gut zu der leichten Süße aus der aufgeschäumten Milch.

c) Filterkaffee Mild

Unser Geschmackstest

Duft
Aus der geöffneten Packung duftet es ausgesprochen verlockend: süßlich nach Beeren und (weniger deutlich ausgeprägt) nach etwas anderem, was ich nicht einzuordnen vermag. Mich erinnert der Geruch dieses Filterkaffees an saftige Müsliriegel mit Früchten. Obwohl der Duft sehr intensiv ist, wirkt er recht leicht.

Packung Filterkaffee milde gestimmt | Foto: Redaktion

Der heiße Filterkaffee verströmt ebenfalls einen fruchtig-süßen Geruch, der allerdings sanfter ist und unter den sich würzige Noten mischen, die entfernt an Weihnachten erinnern.

Filterkaffee in Glastasse | Foto: Redaktion

Geschmack
Der milde Filterkaffee der Marke Beans Brothers FRIENDS ist geschmacklich interessant. Die süßlich-fruchtigen Noten werden auf angenehme Weise von herben Noten ergänzt. Meine Frucht-Assoziation zum gleichzeitig süßen und bitteren Eindruck lautet deshalb nicht Kirsche, sondern Grapefruit. Im Nachklang verstärken sich die herben Noten überraschend stark, was mich allerdings nicht stört. Vom Gesamteindruck her ist „Filterkaffee milde gestimmt“ trotzdem eher leicht und weich.

Die Filterkaffeesorten sind vorgemahlen | Foto: Redaktion

d) Filterkaffee Kräftig

Unser Geschmackstest

Duft
Die frisch geöffnete Packung verströmt einen starken, zuckrig-süßen Duft. Mich erinnert der Duft an Biskuitkekse mit Fruchtfüllung.

Der heiße Filterkaffee ist vom Geruch her eher unauffällig. Eine leichte Süße ist zu merken, aber viel mehr nicht.

Packung der Sorte Filterkaffee heftig kräftig | Foto: Redaktion

Geschmack
Beim ersten Schluck fällt auf, wie herb die zweite Filterkaffeevariante der Beans Brothers FRIENDS ist. Eine reizvolle Fruchtnote mischt sich darunter. Allerdings sind die Röstaromen so deutlich ausgeprägt, dass die Fruchtnoten zunächst kaum zur Geltung kommen. Sobald der Kaffee abkühlt, wird das besser, denn dann stehen die fruchtigen Anteile im Vordergrund. Fast würde ich von einem süß-sauren Geschmackserlebnis sprechen, aber statt sauer passt in diesem Fall spritzig besser.

Blick auf den vorgemahlenen Kaffee | Foto: Redaktion

Dieser Filterkaffee hat zwar deutliche herbe Noten, wirkt demgegenüber allerdings verblüffend leicht, fast etwas dünn, denn bei mir wird die Erwartung geweckt, dass da neben den fruchtigen und den deutlich ausgeprägten herben Noten auch noch etwas anderes kommen sollte. Mir jedenfalls fehlt etwas, das Geschmacksprofil des „Filterkaffee heftig kräftig“ wirkt nicht richtig rund.

Immerhin: Eine ansprechende Kombination aus karamellartigen süßen Noten und Rauchnoten zeigt sich im Abgang. Ganz kurz hab ich manchmal eine Kakaonote wahrgenommen. Nach einer Weile bekommt der Nachgeschmack eine anfangs reizvolle Schärfe, die sich lange auf der Zunge hält, nach einer Weile allerdings nicht mehr so ansprechend wie am Anfang ist. Dem durchschnittlichen Kaffeetrinker dürften diese Geschmackseindrücke zu kräftig sein.

Fertiger Filterkaffee in Glastasse | Foto: Redaktion

Für sich betrachtet ist diese vierte Sorte im Test ziemlich gut, aber mit den anderen drei kann sie nicht mithalten.

Wie erwartet passen zum intensiven Geschmack des „Filterkaffee heftig kräftig“ Milch und Milchalternativen besonders gut.

Was sonst noch wichtig ist

Nachhaltige Produkte müssen nicht in einem langweiligen Öko-Look daherkommen. Und der Einsatz für bessere Lebensbedingungen der Menschen in den Anbaugebieten kann deutlich herausgestellt werden, ohne dem Kaffeekäufer ein schlechtes Gewissen einzureden. Von daher ist die Idee, die Beans Brothers FRIENDS in einem farbenfrohen Design zu präsentieren, ein guter Ansatz.

Leider ist die Umsetzung dieser guten Idee weniger gut gelungen. Die maskenartigen Gesichter auf den Verpackungen wirken auf mich nicht sympathisch, sondern unheimlich. Die würden gut in einen Horrorfilm passen.

Warum stehen bei der neuen Marke nicht Peter und Markus im Mittelpunkt? „Hinter den Beans Brothers FRIENDS stehen Peter und Markus, zwei echte Kaffeejunkies, die auf ihren Reisen ihre Leidenschaft für Kaffee entfacht haben“, erklärt Tchibo in einer Pressemitteilung. „In den Ursprungsländern entdecken sie aber nicht nur die leckersten Kaffeesorten, sondern beschäftigen sich auch mit den Herausforderungen der Kaffeefarmer und ihrer Familien sowie der Missstände vor Ort. So entstand die Mission der FRIENDS: Einen positiven Unterschied für die Kaffeefarmer und ihre Familien vor Ort zu machen.“

Zubereitung im Vollautomaten | Foto: Redaktion

Das ist eine starke Story. Trotzdem reicht es bei Peter und Markus nicht einmal für Nachnamen geschweige denn für Fotos. Immerhin gibt es auf der Website der Marke relativ konkrete Informationen darüber, worum es bei den Hilfsprojekten geht. So werden in Honduras Kaffeefarmer-Familien unterstützt, indem die örtlichen Kindertagesstätten modernisiert und mit Lernmaterialien ausgestattet werden.

Preis im Testzeitraum

Die beiden „Caffè Crema“-Sorten verkaufte Tchibo im Testzeitraum ungemahlen zum Preis von 9 Euro pro Pfund. Die Filterkaffeesorten werden gemahlen verkauft und kosteten 5 Euro pro 250-Gramm-Packung. Bei Abnahme von jeweils zehn Packungen gab es einen kleinen Rabatt.

Fazit

Geschmäcker sind verschieden. Das gilt auch für das Äußere von Produkten. In diesem Fall fand ich die Gestaltung der Verpackung dermaßen unangenehm, dass ich den Kaffee gar nicht erst testen wollte. Als mich der Hersteller dann mit der Zusendung von drei Testpackungen überraschte, wollte ich dann doch wissen, wie er schmeckt. Richtig gut, das gilt jedenfalls für die ersten drei Sorten – wenn auch nicht für alle Zubereitungsarten gleichermaßen.

Die vierte Sorte „Filterkaffee heftig kräftig“, die ich nach dem sehr positiven Eindruck der anderen drei Kaffeesorten selbst gekauft hatte, konnte mich dagegen nicht so richtig überzeugen. Schon gar nicht zu diesem Preis. Denn ein günstiges Vergnügen bieten die Beans Brothers FRIENDS nicht.

Blogger: Neben diesem Kaffeeblog hier geht es auf oliverspringer.com um Mindset und Tools für mehr Produktivität. YouTuber: Reviews aus meinem Kaffeeblog. Radiomacher: Gemeinsam mit einem Kollegen aus meiner Zeit bei JAM FM habe ich 2018 PELI ONE entwickelt - mit Hip-Hop, Soul und ganz viel R&B. Lofi-Hip-Hop bei METAMA: Produktion von Lofi-Hip-Hop zum Entspannen und konzentrierten Arbeiten inkl. 24/7-Livestream METAMA LOUNGE auf YouTube. K-Pop-Fan. Serien-Fan.

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